Kommunale Unternehmen und kritische Infrastruktur
(mit Wolf Buchholz, Fachgebietsleiter Verband Kommunaler Unternehmen)
Welche Rolle spielen kommunale Unternehmen für die kritische Infrastruktur? Was sind die größten Herausforderungen für kommunale Unternehmen im KRITIS-Bereich? Über diese und weitere Themen sprechen Wolfgang Straßer und Fabian Haun mit Wolf Buchholz, Senior-Fachgebietsleiter Kritische Infrastruktur und Cybersicherheit beim Verband Kommunaler Unternehmen (VKU).

Zum Inhalt
Kritische Infrastrukturen im Visier
Zwischen bürokratischem Aufwand und echter Sicherheit
In der 22. Folge unseres Podcasts „R(h)eingehäckt“ analysieren wir das Fundament unserer Gesellschaft: die kritischen Infrastrukturen.
Gemeinsam mit Wolf Buchholz vom Verband der kommunalen Unternehmen (VKU), diskutieren Fabian Haun und Wolfgang Straßer, welche Risiken drohen, wenn Strom, Wasser oder Internet plötzlich ausfallen und wie wir diese lebensnotwendigen Dienste effektiv schützen.
Die Experten fokussieren sich auf die NIS-2-Richtlinie. Sie zeigen auf, dass die Zahl der betroffenen Unternehmen massiv ansteigt. Besonders kritisch bewerten sie die Situation in kommunalen Rechenzentren. Hier liegen hochsensible Bürgerdaten, doch oft fehlen noch die notwendigen gesetzlichen Verpflichtungen zur Absicherung. Ein großes Hindernis ist dabei die Bürokratie.
Mehrspartenunternehmen, wie viele Stadtwerke, kämpfen damit, dass sie gegenüber verschiedenen Behörden ständig dieselben Nachweise erbringen müssen.
Doch Sicherheit umfasst mehr als nur digitale Abwehr. Wolf Buchholz beleuchtet den physischen Schutz von Anlagen. Er erklärt, warum Zäune und Wachpersonal ebenso essenziell sind wie Firewalls, betont aber auch die enormen Kosten. Physische Maßnahmen kosten oft das Zehnfache digitaler Lösungen. Ein besonders heikles Thema ist die „Insider-Bedrohung“. Die Gäste diskutieren, wie man Personen in Hochrisikobereichen effektiv überprüft, ohne Datenschutz und Grundrechte zu verletzen.
Wolfgang Straßer warnt aus der Praxis vor einer gefährlichen „Papier-Compliance“. Er beobachtet immer wieder, dass Unternehmen zwar Zertifikate an die Wand hängen, aber die tatsächliche technische Absicherung vernachlässigen. Diese Diskrepanz zwischen Aktenlage und Realität führt zu einer riskanten Selbstüberschätzung.
Zum Abschluss fordern die Gäste einen radikalen Kurswechsel: Weg von der reinen Checklisten-Mentalität, hin zu einer echten, technisch fundierten Resilienz. Die Politik muss bürokratische Hürden abbauen und die Unternehmen dabei unterstützen, echte Sicherheit statt nur Zertifikate aufzubauen. Nur so sichern wir die Grundversorgung in Deutschland langfristig ab.