NRW als Digital- und Cybersicherheitsstandort
(mit Julia Eisentraut, MdL NRW, Bündnis90/Die Grünen)
In dieser Folge von „Rheingehäckt“ ist Julia Eisentraut, digitalpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag NRW, zu Gast. Mit der Informatikerin sprechen wir über Nordrhein-Westfalen als Digital- und Cybersicherheitsstandort – von Spitzenforschung und Start-ups bis hin zur digitalen Souveränität auf Landesebene.
Wir diskutieren, wie der Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Mittelstand gelingt, wie gut NRW gegen Cyberangriffe aufgestellt ist und welche Chancen der digitale Wandel für zentrale Branchen wie Energie, Mobilität und Gesundheit bietet.

Zum Inhalt
Mehr als nur Fassade: Wie NRW die digitale Transformation mutig anpacken muss
In der dieser Episode unseres Podcasts „R(h)eingehäckt“ diskutieren wir mit Julia Eisentraut, Abgeordnete Bündnis90/Die Grünen im Landtag von NRW und Informatikerin, über die dringenden Herausforderungen an der Schnittstelle von Technologie und Politik. In dem Gespräch beleuchten wir, warum es essenziell ist, dass technisches Fachwissen direkt in die Gesetzgebung einfließt, um eine Digitalpolitik zu gestalten, die nicht auf Schlagworten, sondern auf dem Verständnis komplexer Systeme basiert.
Ein zentraler Punkt der Diskussion ist die digitale Souveränität. Wir sprechen über die gefährlichen Abhängigkeiten von großen Cloud-Anbietern und den sogenannten „Lock-in-Effekt“, bei dem Verwaltungen ihre eigenen Daten kaum noch kontrollieren können.
Julia Eisentraut plädiert hier für einen mutigen Kurswechsel hin zu Open-Source-Lösungen. Entgegen der weit verbreiteten Angst, dass offener Quellcode Angreifern Tür und Tor öffne, wird argumentiert, dass Transparenz und gemeinschaftliche Prüfung die Sicherheit langfristig erhöhen.
Besonders kritisch wird die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung betrachtet. Am Beispiel des BAföG oder des Onlinezugangsgesetzes (OZG) wird deutlich, dass oft nur die „digitale Fassade“ zum Bürger gebaut wurde, während im Hintergrund weiterhin Medienbrüche herrschen. Die Lösung liegt nicht in kleinen Korrekturen an veralteten Systemen, sondern in einem disruptiven Ansatz: Bestehende Prozesse müssen grundlegend neu gedacht und digital implementiert werden, um echte Effizienzgewinne zu erzielen.
Neben der Verwaltung widmen wir uns dem Thema Innovation. NRW verfügt über eine exzellente Forschungslandschaft, doch der Transfer in die Praxis hinkt oft hinterher. Wir diskutieren, wie bürokratische Hürden bei Hochschul-Ausgründungen abgebaut werden können und warum mehr Risikokapital nötig ist.
Ein wichtiger Aspekt ist zudem die Diversität in der Tech-Branche. Wenn Frauen seltener gründen oder weniger Kapital erhalten, fehlen wichtige Perspektiven in der Entwicklung von KI und Sicherheitsprodukten, was zu systemischen Benachteiligungen führen kann.
Abschließend zeichnen wir ein optimistisches Bild für die Zukunft von NRW. Mit einer offenen Gesellschaft, weniger Bürokratie und einer mutigen, positiven Digitalisierung in der öffentlichen Hand könne das Land ein weltweit führender Standort für Cybersicherheit und Innovation werden.