Digitale Souveränität unter Druck
(mit Katharina M. Schwarz, Gründerin von KMS global und Expertin für Geopolitik, Cybersicherheit und europäische Digitalpolitik )
Wie souverän ist Europa eigentlich noch im digitalen Raum?
Gemeinsam mit Katharina M. Schwarz analysieren wir technologische Abhängigkeiten, geopolitische Machtverschiebungen und die Risiken für Staat und Wirtschaft. Außerdem sprechen wir über die Dominanz internationaler Cloud-Anbieter, die Rolle von Regulierung und öffentlicher Beschaffung sowie darüber, welche konkreten Schritte Europa jetzt gehen muss, um seine digitale Handlungsfähigkeit zu sichern.

Zum Inhalt
Digitale Souveränität oder gläserne Abhängigkeit? – Europas Kampf gegen den Vendor Lock-in
In der 29. Folge des Podcasts „R(h)eingehäckt“ analysieren wir eine kritische Schwachstelle unserer Gesellschaft: die technologische Abhängigkeit von den USA.
Gemeinsam mit Katharina Schwarz, Expertin für Politikberatung und strategische Kommunikation, diskutieren Fabian Haun und Wolfgang Strasser, warum Europa trotz zahlreicher eigener Alternativen immer noch massiv auf US-amerikanische Tech-Giganten setzt.
Die harte Diagnose: Deutschland befindet sich in einem „digitalen Ernstfall. Die extreme Abhängigkeit von Cloud-Infrastrukturen und Software macht den Kontinent erpressbar. Ein Ausfall großer Provider würde die gesamte Wirtschaft innerhalb kürzester Zeit lähmen. Besonders im öffentlichen Sektor zeigt sich ein problematisches Muster: Der Staat investiert Milliarden in Lizenzen, zementiert damit aber gleichzeitig seine eigene Abhängigkeit.
Ein zentraler Punkt der Diskussion sind die Hürden bei der öffentlichen Beschaffung. Katharina Schwarz kritisiert, dass komplexe Ausschreibungsverfahren innovative Start-ups und den Mittelstand systematisch ausschließen. So ebnet die Verwaltung ungewollt den Weg für globale Monopolisten.
Die Lösung liegt nicht in der Entwicklung neuer Produkte. Europäische Alternativen existieren bereits. Der Ausweg ist der Mut, diese auch tatsächlich einzukaufen.
Parallel dazu beschreibt Wolfgang Strasser die operative Bedrohungslage. Er beobachtet eine neue Ära der Cyber-Angriffe: Diese verlaufen schneller, professioneller und nutzen gezielt KI. Anhand von Beispielen wie den Angriffen auf die Deutsche Bahn zeigt er, wie Angreifer hybride Taktiken einsetzen, um Verteidigungssysteme durch Ablenkungsmanöver zu überwinden.
Der Ausweg ist eine radikale Neuausrichtung der Beschaffungsstrategie. Die Gäste begrüßen das neue Vergabebeschleunigungsgesetz als ersten Schritt, fordern aber eine konsequente Umsetzung in der Praxis. Europa muss ein Ökosystem schaffen, das Innovation aus dem Mittelstand fördert und digitale Souveränität als hartes Kriterium für staatliche Aufträge definiert. Nur so bricht Deutschland den Teufelskreis der Abhängigkeit und sichert seine digitale Zukunft.